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Begeisterndes Musikerlebnis in der stimmungsvoll beleuchteten Christuskirche – Kantorei sang Werke von Bach und Rutter
Über den Barock in die Moderne
Ulrich Isfort
Schwelm. Einen musikalischen Bogen über 250 Jahre Kirchenmusik schlug Kirchenmusikdirektorin Sabine Horstmann mit dem Konzert in der Schwelmer Christuskirche. Zu Gehör kamen Werke von John Rutter (geb. 1945) und Johann Sebastian Bach (1685-1750). Es musizierten Sylvia Bleimund (Sopran), Welfhard Lauber (Bass), das Schlagzeugensemble Christian Roderburg, das Ristenpart-Orchester, Kantorei, Kinder- und Jugendkantorei der Christuskirche unter Leitung von Kirchenmusikdirektorin Sabine Horstmann.
Komponist unserer Zeit John Rutter gehört zu den bekanntesten und am häufigsten gespielten englischen Komponisten unserer Zeit. Sein postmoderner Stil ist geprägt von Tonalität, raffinierter Harmonik und Rhythmik und Elementen des Jazz. Seine Mass of the children“ aus den Jahren 2002/2003 wurde in der Carnegie Hall in New York uraufgeführt. Neben dem lateinischen Messtext enthält das Werk englische Dichtungen, Stimmungen im Laufe eines Tages oder Wendepunkte eines Lebens. Rutter verbindet spielerisch alte und neue Kompositionstechniken: Gregorianik, Fugen, südamerikanische Tänze, Klangflächen und Polyphonie, Taktwechsel und Jazzharmonik. Alles verbindet sich bei ihm zu einem perfekt geschlossenen Wohlklang, ohne zu provozieren. Der Evangelist Lukas schildert den Besuch des Erzengels Gabriel bei Maria, der ihr verkündet, dass sie den Sohn Gottes zur Welt bringen wird. Daraufhin singt Maria das „Magnificat“, den großen Lobgesang über Anbetung, Freude und Gottvertrauen. Rutter selbst sagt, er sei durch die Marienfeste in Spanien, Mexico und Puerto-Rico zu diesem Feuerwerk musikalischer Ideen inspiriert worden. Sabine Horstmann hatte die Solisten des Abends gut gewählt. Sylvia Bleimund sang klangrein und souverän die Sopranpartien der Mass und des Magnificats. Klangfülle und gelungene Phrasierung zeichneten ihre sauber intonierte Stimme aus. Auch Welfhard Lauber (Bass) überzeugte besonders beim „Herr, öffne Du mir die Augen“ im Finale der Messe und Rezitativ durch Klangreinheit in Dynamik und Registern. Das Ristenpart-Orchester begleitete den Chor und die Solisten mit viel Feingefühl, im Forte nicht zu laut und geschmeidig in den leisen Passagen. Der warme Streicherklang und das ausgewogene Verhältnis zwischen Blech und Holzbläsern sollen besonders erwähnt werden. Die unterschiedlichsten Schlaginstrumente spielten rhythmisch exakt und sehr engagiert und dabei immer differenziert. Alle Instrumentengruppen verschmolzen zu einem homogenen Klang. Die Kantorei, Jugend- und Kinderkantorei waren von Kantorin Sabine Horstmann bestens einstudiert. Rhythmische Präzision, voller Klang in allen Stärkegraden und eine begeisternde Leichtigkeit zogen sich durch alle Sätze der wunderbaren, aber nicht leicht ausführbaren Musik. Den Kindern und Jugendlichen sei ein besonderes Lob für die Klangreinheit ausgesprochen in den Chorälen „Wie soll ich dich empfangen“ mit sehr gutem Bass-Solisten und „Ich steh an deiner Krippen hier“. Der Eingangschor von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratoriums „Jauchzet, frohlocket“ war schwungvoll und von großem Engagement und gut begleitendem Orchester geprägt.
Publikum applaudierteSabine Horstmann leitete die Aufführung mit großer Souveränität, sicherem Dirigat im Taktwechsel und viel Begeisterung für die Ausführenden. Wie gerne hätte man an manchen Stellen selbst mitgesungen, so schwung- oder klangvoll war das musikalische Ergebnis. Die stimmungsvoll beleuchtete Christuskirche war sehr gut besucht. Das Publikum dankte allen Beteiligten für den musikalischen Bogen über 250 Jahre Kirchenmusik mit kräftigem Applaus, welches das große Ensemble mit zwei Zugaben beantwortete. Allen Beteiligten muss man großes Lob aussprechen für so viel Musikalität, Spielwitz und Freude am guten Klang. Insgesamt war es ein anspruchsvoller und sehr gelungener Konzertabend zum adventlichen Sonntag „Gaudete“: Freut euch allezeit im Herrn!
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